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Wenn Kasparov gegen den Computer antrat
Mitte der 90er Jahre befand sich die Schachwelt an einem historischen Wendepunkt. Das Aufkommen des revolutionären Intel Pentium-Prozessors läutete eine völlig neue Ära im ultimativen Kampf zwischen menschlicher Intuition und künstlicher Intelligenz ein. Es war die Zeit, in der der unangefochtene Weltmeister Garry Kasparov den stärksten Schachprogrammen seiner Zeit gegenüberstand.
Der Schock von London (1994)
Alles begann am 31. August 1994 beim prestigeträchtigen Intel Grand Prix-Turnier in London. Zur allgemeinen Verblüffung erlitt Kasparov dort eine historische Niederlage. Er wurde von Chess Genius 3 ausgeschaltet, einem Computerprogramm, das damals auf einem hochmodernen 90-MHz-Pentium-Prozessor lief. Es war das allererste Mal, dass ein amtierender Weltmeister in einem offiziellen Match gegen einen Computer verlor. Diese Niederlage tat weh und passte dem stolzen Schachgroßmeister überhaupt nicht.
Revanche in Köln (1995)
Um die Ehre der Menschheit zu retten und seine absolute Überlegenheit zu beweisen, forderte Kasparow ein Rückkampfmatch. Am 20. Mai 1995 war es soweit: ein Mini-Duell mit einer knappen Bedenkzeit von 25 Minuten für die gesamte Partie. Die Herausforderung war diesmal noch größer. Das Programm Genius 3 lief nun nämlich auf dem allerneuesten Intel 120-MHz-Pentium-Prozessor, einem technologischen Monster, das in der Lage war, nicht weniger als 130.000 Stellungen pro Sekunde zu analysieren.
Ein Live-TV-Spektakel
Kasparov wollte die Maschine nicht im Schutz der Anonymität besiegen; er entschied sich bewusst für die große Bühne während einer Live-Fernsehübertragung aus Köln. Um volle Konzentration zu gewährleisten und jegliche Umgebungsgeräusche auszublenden, nahm der Weltmeister in einer schalldichten Glaskabine Platz. Die Sendung wurde von Moderator Dr. Claus Spahn geleitet. Für die fachkundige Live-Kommentierung sorgten die Schachgroßmeister Vlastimil Hort und Helmut Pfleger. Darüber hinaus lieferten auch die Computer- und Schachexperten Ossi Weiner und Matthias Wüllenweber (Mitbegründer von ChessBase) während der Partie ihre scharfsinnigen Analysen.
Mephisto Computer Video Controller
Die Einführung des Mephisto Computer Video Controllers im Jahr 1982 brachte Live-Analysen in die Wohnzimmer und ins Studio. Zuvor mussten Analysten Demonstrationstafeln manuell aktualisieren. Mit diesem Controller konnte der Schachcomputer direkt ein Videosignal für das Fernsehstudio erzeugen. Dadurch konnten die Zuschauer zu Hause die Auswertung und die Varianten des Computers sofort klar und deutlich auf dem Bildschirm sehen, was damals einen enormen technologischen Durchbruch darstellte.
Das neue TASC-Smartboard während des Duells mit Kasparov
Während die meisten Schachbretter damals mit Drucksensoren arbeiteten (bei denen man die Figuren fest auf das Brett drücken musste, um den Zug zu registrieren), führte das niederländische Unternehmen ''The Advanced Software Company'' (kurz TASC) ein Brett mit automatischer induktiver Figurenerkennung ein. Jede Schachfigur verfügte über einen eingebauten elektronischen Resonanzring. Dadurch wusste das Brett genau, welche Figur (ein Springer, Bauer oder eine Dame) wo stand, ohne dass der Spieler Druck ausüben musste. Dies machte die Verarbeitung der Züge extrem schnell und fehlerfrei – ideal für Kasparov, um auf diesem Turnierbrett Rapid- und Blitzschachpartien zu spielen.
Historische Grüße von Hein Veldhuis vom 8. Juni 2026
Interne und externe Weblinks
Fernseh-Revanche Kasparov – Pentium Genius
Mephisto Computer Video Controller
TASC special tournament board
1994 – Kasparov gegen Fritz 3
1995 – Kasparov vs The Pentium (Fritz 4)
Man vs Machine – the endless fascination